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Identifikation von Bullshit und Wert

Short thesis

In unserem Körper zuckt oft blitzartig ein Identifikations-Algorithmus. Wir reagieren mit Lachen, Ekel, Abscheu, Staunen, Angst oder Freude. Bei Wertvollem schaltet er hoffentlich das Gehirn ein und befiehlt zum Bleiben, bei Bullshit sollte er wegzappen. Wenn wir wegzappen – tl;dr – was sagt das über das Weggezappte aus, was über unseren individuellen Algorithmus zur Aufmerksamkeitssteuerung?

Description

Was ist wann Rubbish, was Inspiration? Was Gefahr, was Erkenntnis? Wir stellen uns gewöhnlich vor, dass wir filtern. Aber wie? Es gibt eine Theorie der Identifikation. Sie erklärt, wie etwa die folgenden Ja-Nein-Fragen blitzschnell beantwortet werden: Ist das ein Hit? Ist das interessant? Ist dieser Mensch nett? Ist das Lächeln aufgesetzt? Ist diese Frucht giftig?

Wir fällen bei solchen Fragen meist Blitzurteile, die irgendwie aus dem Körper kommen, nicht aus dem Kopf – das geht schneller.

Warum denken wir so oft tl;dr? Weil unser Blitzurteil „Bullshit“ identifizierte. Warum zücken Zuhörer manchmal ihre Smartphones bei Vorträgen? „Bullshit.“ Werbung, langweiligen Unterricht, Protz-Marketing und hohle Ansprachen klickt unser Identifikationsalgorithmus weg.

Wenn etwas oder jemand weggezappt wird, sollte sich das oder dieser fragen, warum. Wer etwas wegzappt, sollte sich ab und an stichprobenartig prüfen, ob sein Algorithmus gut entscheidet. Urteilt man gut oder sind es vielleicht nur alte fremdgeprägte Vorurteile? Wann zucken wir zusammen, wenn etwas ungewöhnlich erscheint – und warum?

Unser innerer tl;dr-Algorithmus hilft bei schneller Orientierung und vereinfacht das Leben, aber er sollte auch gut arbeiten – und bei Wertvollem sollte er nicht nur hinschauen, sondern das Hirn einschalten und zum Verweilen zwingen – stattdessen scheinen zu viele neben dem Bullshit stehen zu bleiben.